Warum

Wir diskutierten nächtelang über das imperialistische System und seine verheerenden Konsequenzen. Ich entdeckte, daß die US-Truppen nicht nur in Vietnam einen grausamen Krieg führten, weil sie glaubten, das Recht zu haben zu entscheiden, wie andere Völker zu denken und zu leben hatten. Die Geschichte der weltweiten US-Interventionen war lang, davon hatte ich bis dahin kaum eine Ahnung gehabt. Warum wußte ich davon so wenig? Warum gab es dagegen nicht schon immer und viel mehr Widerstand? Um den Einmarsch von 30.000 US-amerikanischen Soldaten in der Dominikanischen Republik zu begründen, hatte US-Präsident Johnson erklärt: »Wir dürfen und werden die Etablierung eines weiteren kommunistischen Staates in der westlichen Hemisphäre nicht zulassen!« Immer führten sie das Wort Demokratie spazieren, aber wenn es um ihre ökonomischen und politischen Interessen ging, kamen sie mit Bomben, Panzern, Folterern. Ich merkte, wie sich in mir Wut und Haß entwikkelten: Ich war mein Leben lang belogen worden. Jetzt entdeckte ich Ursachen und Zusammenhänge, und dagegen wollte ich etwas tun.

—Margrit Schiller, »Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung«, (Hamburg: Konkret Literatur Verlag, 2000), 54-55.

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